Sozietät
Dr. Oexmann

Sportrecht

Sport und Recht Vorlesung 23.06.2009 Uni Münster

Veröffentlicht von Dr. Oexmann am 2009-06-23

Sport und Recht 23.06.2009 Dr. jur. Burkhard Oexmann

Doping im Sport

Definition des Doping

(1) Einnahme unerlaubter Substanzen oder

(2) Nutzung unerlaubter Methoden

(3) zur Steigerung der sportlichen Leistung

Arten des Doping (I)

1. Wirkstoffgruppen und deren Auswirkungen auf den Organismus

•  Stimulantien wie Amphetamine, Ephedrin und Koffein wirken auf das ZNS und steigern die motorische Aktivität

•  Narkotika = schmerzunterdrückend und beruhigend

Arten des Doping (II)

•  Anabolika = muskelbildend (Gefahr der Feminisierung des männlichen sowie der Maskulinisierung des weiblichen Körpers)

•  Diuretika = Dehydratierung zur Gewichtsreduktion

•  Peptid- und Glykoproteinhormone = Umverteilung körpereigener Energiereserven und Sauerstoffanreicherung des Blutes

Arten des Doping (IM)

•  Epo = Blutdoping (Erhöhung der Anzahl der Erythrozyten)

2. Methoden

•  Höhentraining, Unterdruckkammer (Erhöhung der Transportkapazität für Sauerstoff)

Gendoping ("Zellkur")

 

Welt-Anti-Doping-Code der WADA (2007)

Art. 1: Definition des Doping „Doping ist definiert als ein Verstoß gegen die AntiDoping-Regeln, wie sie in Art. 2.1 bis 2.8 ausgewiesen sind.“ Art. 2: Verstöße gegen die Antidopingregeln

•  2.1 Die Anwesenheit einer verbotenen Substanz, deren Metaboliten oder eines Markers in einer dem Athleten entnommenen Probe.

2.2 Die Anwesenheit bzw. der Versuch der Anwendung einer verbotenen Substanz oder einer verbotenen Methode.

•  2.3 Verweigerung der Abgabe einer Probe nach Aufforderung zur Dopingkontrolle.

•  2.4 Abwesenheit bei Kontrollen außerhalb des Wettkampfes einschließlich Verstöße gegen die Aufenthaltsmeldepflicht.

•  2.5 Betrug oder der Versuch eines Betruges bei der Dopingkontrolle

•  2.6 Besitz von verbotenen Substanzen oder verbotenen Methoden.

•  2.7 Weitergabe jeglicher verbotener Substanz oder verbotener Methode.

•  2.8 Anstiftung, Mitbeteiligung, Unterstützung oder Ermutigung zur Anwendung oder zum Versuch einer Anwendung einer verbotenen Substanz oder verbotenen Methode.

Dopingfolgen für Sportler - Verein (I)

•  Außerordentliche Kündigung des Dienstvertrages beim bezahlten Sportler (§ 626 I BGB)

•  Ausschluß des Sportlers aus dem Verein mit sofortiger Wirkung (ultimative Vertragsstrafe kraft autonomer Rechtsordnung des Vereins/ Verbandes

Dopingfolgen für Sportler - Verein (II)

•  Vertraglicher Schadensersatzanspruch des Vereins ex §§ 280 I 1, 241 II BGB

Deliktischer Anspruch ex §§ 823 II BGB, 263 StGB

Dopingfolgen für Sportler - Verein (III)

•  Zurechnung des aus Dopingfällen resultierenden Vermögensschadens (Schutzzweck der Norm)

•  Dienen die Dopingregeln (auch) den Vermögensinteressen des Vereins

•  oder lediglich der Wahrung der Chancengleichheit der Sportler?

Dopingfolgen für Sportler - Verein (IV) Sonderfall § 6a AMG

•  Gesetzeswortlaut (vgl. Laufzettel)

•  §§ 823 II BGB, 6a IIa, 95 I Nr. 2b AMG

•  Anti-Doping-Gesetz 2007: Drittschutz nein (ratio legis: Sicherheit des Arzneimittel-verkehrs)

Dopingfolgen für Sportler - Veranstalter

•  Bei unmittelbarer Vertragsbeziehung Unmöglichkeit der Leistungserbringung mit Wegfall des Anspruchs auf die Gegenleistung (§§ 275 I, III, 326 I 1 BGB)

•  Vertraglicher Schadensersatzanspruch ex §§ 280 I, III, 283 BGB

•  Deliktischer Schadensersatzanspruch ex § 823 II BGB i.V.m. § 263 StGB

Dopingfolgen für Sportler - Sponsor (I)

•  Zweck des Sponsoring: Steigerung des Bekanntheitsgrades + positiver Imagetransfer

•  Folgen des Dopingverstoßes: Außerordentliches Kündigungsrecht (§ 626 I BGB) oder Rücktritts- recht (§ 323 I, II Nr. 3 BGB

Dopingfolgen für Sportler - Sponsor (II)

•  Vertraglicher Schadensersatzanspruch des Sponsors ex §§ 280 I, 241 I BGB

Deliktischer Schadensersatzanspruch ex § 823 II BGB i.V.m. § 263 StGB

Deliktischer SchE in der Literatur umstritten, wenn Dopingverstoß erst nach Abschluß des Sponsoringvertrages (kritisch: Rechtspflicht zur Aufklärung durch den Sportler)

Dopingfolgen für Sportler - Konkurrent (I)

•  Keine unmittelbare Vertragsbeziehung

•  Aber: Vertrag Sportler - Veranstalter mit Schutzwirkung für Dritte (so die überwiegende Literaturauffassung)

•  § 823 II BGB i.V.m. den Antidopingregeln der autonomen Verbände (wohl keine Schutzvorschriften)

Dopingfolgen für Sportler - Konkurrent (II)

•  Deliktischer Anspruch ex §§ 823 II BGB, 263 StGB: Nein, da keine Stoffgleichheit (Vorteil und Schaden basieren nicht auf derselben Vermögensverfügung)

•  Brandaktuell: Anspruch ex §§ 3, 4 Nr. 11, 9 UWG (Lauterbarkeitsprinzip)

Dopingfolgen für Sportler - Teamkollege

•  Kein Anspruch aus § 280 I BGB, da keine vertragliche Beziehung

Deliktischer SchE ex § 823 II BGB i.V.m. § 263 StGB: Nein, da keine stoffgleiche Vermögensverfügung

Dopingfolgen für Sportler - Zuschauer

Deliktischer Anspruch des Zuschauers ex § 823 II BGB i.V.m. § 263 StGB: Kritisch das Tatbestandsmerkmal Vermögensverfügung, nämlich Unterlassen der Geltendmachung eines Rückforderungsanspruchs (Eintrittsgeld) gegenüber Veranstalter

•  Jedenfalls keine Stoffgleichheit

Dopingfolgen für Sportler - Sportarzt

•  Anspruch des Sportlers aus § 823 II BGB

a) Vorsätzliche Körperverletzung (§ 223 StGB)

b) Fahrlässige Körperverletzung (§ 230 StGB)

•  Rechtfertigende Einwilligung (§ 228 StGB): Verstößt die Einwilligung gegen die „guten Sitten“?

•  Mitwirkende Verursachung (§ 254 BGB)?

Sanktionen bei nachgewiesenem Doping

•  Verbandsinterne Strafen (kraft Unterordnung des Sportlers im grundrechtlichen Spannungsverhältnis der Artt. 2 I, 9 I GG)

•  Staatshoheitlich über §§ 263 StGB, 6a AMG

•  "ne bis in idem" (Art. 103 III GG): Meinungsstreit in der sportrechtlichen Literatur

•  Kerner/Trüg, Betrugsstrafrechtliche Relevanz des Doping, JuS 2004, 140 bis 145

 

Sport und Recht Vorlesung 16.06.2009 Uni Münster

Veröffentlicht von Dr. Oexmann am 2009-06-16

Sport und Recht 16.06.2009 Dr. jur. Burkhard Oexmann

Theorie des Sports

Begriff des Sports

•  Juvenal (Satiren 10,61): panem et circenses (Brot und Zirkusspiele; staatsrepressive Ablenkungsmechanismen)

•  Churchill (engl. Premierminister): „no sports“ (more whisky); Lebensgestaltungsphilosophem

Definitionen des Sports

•  Grundlegend: Gesundheitssport („mens sana in corpore sana“) versus Wettkampfsport (organisierte soziale Interaktion)

•  Amateursport (ohne Gewinnerzielungsabsicht versus Profisport (mit Gewinnerzielungsabsicht zur Existenzsicherung)

Breitensport (massenhafte Bewegung ohne Leistungsoptimierung) versus Spitzensport (Leistungsorientierung mit Optimierungstendenz; „Optimum“, „Preis der Besten“)

•   Freizeitsport (Ausgleich zur Arbeit)

•   Hochleistungsport („am Limit“)

Definitions- und Abgrenzungsbegriffe

•   Körperbewegung (Mikado-Schach)

•  Zweckfreiheit (Zeitvertreib versus Gelderwerb)

•   Leistungssteigerung (Streben nach Leistung: „ut desint vires tamen laudanda voluntas“)

•   Leistungsvergleich (Wettkampf mehrerer Personen; zweifelhalft Radtrekking, Bergsteigen)

Chancengleichheit (Behindertensport, Paraolympics)

•  Organisation (sachliche und personelle)

•  Staatliche Einflußnahme (Förderung, Beschränkung, Kanalisierung und Ursupation; totalitäre Staaten; Hitler + Olympiade 1936; Bundeswehr und Sportbatallion Warendorf)

Einführung in das Sportrecht

Konglomerative Interessenlage; am Sport Interessierte und Beteiligte (I):

•  Sportaktives Individuum („homo ludens“)

•  Sportorganisation (Verein - Verband)

•  Staat (Ordnungsmacht - Fiskus)

•  Wirtschaft (Kommerzialisierung)

Konglomerative Interessenlage; am Sport Interessierte und Beteiligte (II):

•   Mäzen

•   Medien

•  Sportprofi

•  Sportpassive Individuen (Zuschauer - Eventkonsument „homo medialis“)

Autonomie des Sports (I):

•   Selbstbestimmung des Menschen nach Art. 2 I GG („freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“)

•   Koalitionsfreiheit der Menschen nach Art. 9 I GG

•   Sport-typische Werteordnung (Westermann: spezifisch sportrechtliche Wertungen überlagern das anwendbare Privatrecht)

Autonomie des Sports (II):

•   Heftige Kontroverse um die Begrifflichkeit „sporttypisch“ (vgl. Pfister et al., Praxishandbuch Sportrecht, S. 10-12)

•   Beispiel: Körperverletzung nach sport-typischem Regelverstoß begründet keine Schadensersatzpflicht (BGH NJW 2003, 2018 -Autorennen, OLG Hamm NJW-RR 2005, 1477 - Fußballspiel)

Schranken und Grenzen der Autonomie des aktiven Sportlers (I):

•  Grundverhältnis (Auswahl der Sportart)

•   Betriebsverhältnis („Teilhabe am Sport“)

a) Sportausübung (Förderung durch Training, Zulassung zum Kader, Qualifikation zu Wettbewerben, Zuerkennung von Sieg oder Placierung)

Schranken und Grenzen der Autonomie des aktiven Sportlers (II):

b) Sicherung der Rechte auf „Teilhabe am Sport“ durch Rechtskontrolle

aa) Schutz vor Vereitelung oder Erschwerung von Rechten (vgl. § 935 ZPO; einstweilige Verfügung)

bb) Schadenskompensation

c) vereins- und verbandsinterne Kontrolle; contra Staatsgerichtsbarkeit?

Sport und Verfassung

•  GG: Fehlanzeige (vgl. Humberg, Die Aufnahme des Sports in das Grundgesetz, ZRP 2007, 57)

•   Landesverfassungen -> Schutz und Förderung des Sports

•  Art. 3 c I LV Ba-Wü: Förderung des Sports bei Wahrung der Autonomie der Träger des Sports

Grundrechte des individuellen Sportlers (I):

•  Art. 2 I GG („freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“):

Allgemeine Handlungsfreiheit

Aber: Subsidiäres Auffanggrundrecht

Prioritär: Artt. 2 II 1, 12 I GG (Leben und körperliche Unversehrtheit; Berufsfreiheit)

•  Staatsgerichtsbarkeit (Abwehrrecht)

Sport und Grundgesetze

Grundrechte des individuellen Sportlers (II):

•   Unmittelbare Drittwirkung?

•   Im Sport zu verneinen; aber: Ausstrahlungswirkung oder mittelbare Drittwirkung über privatrechtliche Generalklauseln (§§ 138, 242, 826 BGB)

•  Willenserklärungs-Auslegungsregeln (§§ 133, 157 BGB)

Ergo: Schutzpflichtenfunktion der Grundrechte im Sport

Sport und Grundgesetze

Grundrechte des individuellen Sportlers (III):

•   Grundrechtskonflikt: Koalitionsfreiheit des Art. 9 I GG gewährt Vereinen und Verbänden die Verbandsautonomie: Lösung heißt „praktische Konkordanz“ (Hesse: Optimierung verfassungsrechtlich geschützter Rechtsgüter als Kollisionslösung).

•   Beispiel: Vereinsinterne Wettkampfsperre für Sportler, der die Vereinsführung kritisiert (Art. 9 I versus Art. 5 I GG)

Grundrechte des individuellen Sportlers (IV):

• Art. 2 II 1 GG erfüllt nicht nur Abwehr-, sondern auch Schutzfunktion; daher Rechtsgüterabwägung bei Blutentnahmen zwecks Dopingkontrollen

Grundrechte des individuellen Sportlers (V): Art. 12 I GG (I):

a)   Dieses Grundrecht hat Bedeutung durch Professionalisierung und Ökonomisierung des Sports erlangt

b)   Beruf -> Schaffung/Erhaltung einer Lebensgrundlage

c)   Aber: Vorwirkung auf Amateure (Jugendliche), die in Profimannschaft eingesetzt werden (Stichwort: berufsbezogene Ausbildung)

Grundrechte des individuellen Sportlers (VI):

• Art. 12 I GG (II):

d) Art. 12 I GG gewährt staatsgerichtetes Abwehrrecht, entfaltet aber Ausstrahlungswirkung (Stichwort: Berufsfreiheit als Teil unserer Rechts- und Wertordnung)

Grundrechte des individuellen Sportlers (VII):

•   Art. 12 I GG (III):

e)  Drei-Stufen-Theorie (BVerfG Apothekenanteil zu Art. 12 I GG):

•   Stufe 1: Berufsausübung

•   Stufe 2: subjektive Zulassungsvoraussetzungen der Berufswahl

•   Stufe 3: objektive Zulassungsvoraussetzungen der Berufswahl

f) Transfer-Entschädigungen als präventiver Konkurrenzschutz der Sportverbände (EuGH -> Bosman; BAG ->Künass)

 

Sport und Recht Vorlesung 09.06.2009 Uni Münster

Veröffentlicht von Dr. Oexmann am 2009-06-06

Sport und Recht 09.06.2009 Dr. jur. Burkhard Oexmann

Sportverbände + Sportgerichte

Ausgangsfall: Berufssportler B wird für vier Jahre von Wettkämpfen ausgeschlossen („ausgesperrt“). Das von ihm angerufene Schiedsgericht bestätigt die Sperre, ohne B persönlich anzuhören. B klagt vor dem Zivilgericht wegen Gehörsverletzung und unangemessener Länge der Sperre. Zu Recht?

Rechtsgrundlagen der Verbands- und Vereinsautonomie:

•  Art. 6 II EU-Vertrag (Maastricht 1992)

•  Art. 11 I EMRK

•  Art. 9 I GG

Binnenstaatliche Regelung der Vereinsautonomie: §§ 21 bis 79 BGB („Vereine“):

•  Allgemeine Vorschriften

•  eingetragene Vereine

•  Regeln über Gründung, Organisation, rechtsgeschäftliche Vertretung sowie Liquidation

„lex sportiva“

Selbstgeschaffene Regelwerke der Sportverbände und Sportvereine

Beispiel: Sport- und Spielbestimmungen („Spielordnung“) des DFB 2008/09; detaillierte Regelungen mit Tendenz zur Kasuistik

„Zweispurigkeit“ = „Zweisäulenmodell“

Säule 1: Nicht disponibles staatliches Recht

Säule 2: Autonomes Verbands- und Vereinsrecht Verknüpfung im Sinne von Interdependenz am Beispiel Doping: Dopingrelevant §§ 263 StGB, 95 AMG, 826 BGB Kohärenz: Wettbewerbssperren auf Zeit (faktisch temporäres Berufsverbot)

Pyramidaler Organisationsaufbau der Verbände:

FIFA           Weltfußballverband

UEFA         Europäischer Fußballverband

DFB           Deutscher Fußballverband

WLFV Westdeutscher Fußball- und Leichtathletikverband

FLVW Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen

Monistisches Prinzip = Ein-Verbands-Prinzip Je Land und Region nur ein Mitglied Ausnahme aktuell: Boxen Vorteile: Einheitliche Regeln und Wettbewerbsorganisationen Nachteile: Monopolstellung u. „Berufsfunktionäre“

Verbandsautonomie:

•  Emanation des Art. 9 I GG (Koalitionsfreiheit)

•  §§ 21 ff. BGB (privatrechtliche Staatsnormen)

•  Rechtssetzungskompetenz

•  Selbstverwaltungsrecht

Sportregeln:

•  Konfliktsituationen

•  Sportler, Vereine, Schiedsrichter, Trainer, Funktionäre, Sponsor, Zuschauer, Veranstalter

•  Optimierung des Ablaufes des Spielbetriebes

•  Lösung: Schaffung verbindlicher sportspezifischer Regeln

Funktion der Sportregeln (I):

•  Typisierung der Sportart

•  Konkretisierung der Sportausübung (Sportziel, Spieldauer, Mannschaftsstärke)

•  Standardisierung der Sportgeräte, Sportkleidung und Wettkampfstätten

•  Beispiel: Rule5.1 der Offiziellen Beach-Volley-ball-Regeln für die Sportkleidung der Damen

Funktion der Sportregeln (II):

•  Grundlagen des Sportwettbewerbes

•  Sicherung der Chancengleichheit

•  Verhinderung von Wettbewerbsverzerrungen

•  Beispiel: Einteilung der Boxer in Gewichtsklassen

Funktion der Sportregeln (III):

•  Regeln für Vereinswechsel der Sportler

•  Streitvermeidung durch Verfahrens- und Ordnungsvorschriften (ad-hoc-Disqualifikation bei Gehern als Beispiel)

•  Gefahrenschutz für Sportler und Dritte (Mindestalter bei Turnerinnen; Drehtechnik beim Speerwurf)

Verbands- und Vereinsstrafen

•  Sanktionierung von Regelverstößen

•  Anti-Doping-Maßnahmen

•  Jährlich > 300.000 Sportstreitfälle incl. der ad-hoc-Verfahren („Protest“ bei Autorennen und Galoppsport)

•  Kritisch: Nominierungen und Zulassungen zum Sportwettbewerb sowie Verbandsstrafen (Disqualifikationen und Sperren)

Sportgerichtsbarkeit (I)

•  Ausfluß des Autonomiegrundsatzes: Regelung verbandsinterner Streitigkeiten

•  Vorteil: Zeitnahe Streitbeilegung mittels Fachkompetenz

•  Einrichtungen: Disziplinarausschuß, Schiedsgericht, Rechtsausschuß, Verbandsgericht

Sportgerichtsbarkeit (II)

•  Schranken und Grenzen: Elemente der staatlichen Verfassung und Grundrechte

•  Art. 3 I GG (Gleichbehandlung) u. Art. 103 I GG (Anspruch auf rechtliches Gehör vor Behörden und Gerichten)

•  Konsequenz: Wahrung des Mindestmaßes externer staatlicher Kontrolle

Sportgerichtsbarkeit (III)

•  Streitgegenstand: Tatsachenentscheidungen und sonstige Maßnahmen

•  Tatsachenentscheidungen grundsätzlich unanfechtbar (sowohl vor dem Sport- als auch dem Staatsgericht)

•  Ausnahme: Schwere Fouls (vom Schiri nicht gesehen, aber von Fernsehkameras erfaßt)

•  Modernität des Sports und des Sportrechts

Sportgerichtsbarkeit (IV)

Sonstige Maßnahmen voll überprüfbar; Katalog:

•  Wirksame Satzung

•  Einhaltung des formellen Verfahrens

•  Gewährung rechtlichen Gehörs

•  Gelegenheit zur sachgerechten Verteidigung

•  Fehlerfreie Tatsachenermittlung

•  Fehlerfreie Anwendung des Satzungsrechts

•  Verhältnismäßigkeit der Strafe

Fallbeispiel aus dem Galopprennsport:

•  OLG Köln SpuRt 2009, 79 („Im Hinblick auf die verfassungsrechtlich geschützte Vereinsautonomie ist eine inhaltliche Überprüfung der Entscheidungen von Verbandsgerichten jedenfalls im Kernbereich unzulässig.“)

•  Vorausgehend BGH SpuRt 1995, 43 (sportliche Regelwerke unterliegen der Inhaltskontrolle nach § 242 BGB)

Fallbeispiel aus der Leichtathletik:

•  OLG Frankfurt SpuRt 2008, 263

•  Zulassung zur Olympiade 2008 im Dreisprung

•  Anspruch auf Nominierung des Sportlers nach § 242 BGB i.V.m. Art. 3 I GG sowie den Nomi-nierungsrichtlinien des NOK/DLV

•  Begründete Endkampfchance nur bei prognostischer Reproduzierbarkeit der sportlichen Spitzenleistung