Sozietät
Dr. Oexmann

Sportrecht SoSe 2017: Tischvorlage 4

Veröffentlicht von Dr. jur. Burkhard Oexmann am 2017-05-08

Dr. Burkhard Oexmann, Lehrbeauftragter

Verbandseigene Rechtsquellen im Sport (Entstehung, Anwendung und Kontrolle)

01. Art. 9 I GG:
„Prinzip freier sozialer Gruppenbildung“ (ständige Rspr. seit BVerfGE 100, 214 ff.).

02. Schutzgüter des Abwehrrechts ex Art. 9 I GG:
  • positive und negative Koalitionsfreiheit
  • „Selbstbestimmung über die eigene Organisation, das Verfahren ihrer Willensbildung und die Führung der Geschäfte“ (BVerfGE 80, 244 ff.).

03. Ergo:
Art. 9 I GG garantiert die Selbstregelungsbefugnis (Autonomie) der Verbände/Vereine.

04. Kernstücke der Rechtssetzungsbefugnis:
  • Satzung („Grundgesetz des Vereins“)
  • Geschäftsordnung („Verwaltungsverfahrensgesetz“ intern + extern)
  • Spielordnung (= sportartspezifisches Regelwerk der Sportausübung)
  • Innenorganisation:
    • Rechtsform
    • Organe
    • Mitgliedschaft
    • Normsetzung
    • Normvollzugskontrolle.

05. Schranken der vereinsautonomen Rechtssetzungsbefugnis:
  • zwingendes staatliches Recht hat Vorrang
  • Wertungskollisionen sind im Sinne staatlichen Rechts aufzulösen
  • Vereinsrecht hat Priorität, sofern staatliches Recht dispositiv.

06. Pyramidenstruktur und monistisches Prinzip:
  • Sportler ? Verein ? Landesverband ? Bundesverband ? Europäischer Verband ? Weltverband
  • Beispiel Fußball: Sokratis (Innenverteidiger) ? Ballsportverein Borrusia 09 e.V. ? westdeutscher Fußballverband e.V. ? deutscher Fußballverband e.V. ? UEFA = Vereinigung europäischer Fußballverbände ? FIFA = Weltfußballverband
  • Ein-Platz-Prinzip (monistisches Prinzip): Erfordernis der Einheitlichkeit der Spielregeln.

07. Normsetzungsbefugnis der Sportverbände:
  • Normsetzung und Normanwendung (Regelwerke)
  • Geltungsbereich des Vereins- und Verbandsrechts
    1. keine automatische Bindungswirkung qua Erlass
    2. Lösungen für die Bindungswirkung der Regelwerke
      1. unmittelbare Bindung durch Mitgliedschaft
      2. Bindung durch Satzungsketten
        1. Weitergabe der Regelwerke „nach unten“
        2. Verpflichtung zur Selbstregelung der Grundsatzfragen
      3. Bindung durch Vertrag
        1. Zulässigkeit von Regelanerkennungsverträgen
        2. Arten von Regelanerkennungsverträgen
        3. Zustandekommen von Regelanerkennungsverträgen (AGB?)
        4. Dynamische Verweisung in Regelanerkennungsverträgen
      4. Abwägung: Vorzug des individuellen Regelanerkennungsvertrages
08. Rechtliche Verknüpfung Sportler-Verband:
  • Kraft Mitgliedschaft des Sportlers im pyramidalen Sportverband (Ausnahme)
  • dynamische Verweisung im Regelwerk
  • qua Anerkenntnisvertrag (Athletenvereinbarung).


09. Regelungsinhalt vereinsautonomer Rechtssetzung an folgenden Beispielen des Fußballsports:
Anhang
  • Satzung des DFB (§§ 1 bis 6)
  • Geschäftsordnung des DFB (vollständig)
  • Fußball-Regeln 2016/2017 des DFB (Regel 12).

10. „Essentialia negotii“ vereinsautonomer Rechtssetzung:
  • mindestens sieben Mitglieder (§ 56 BGB)
  • entweder nichtwirtschaftliche Ausrichtung (§ 21 BGB) oder wirtschaftliche Ausrichtung (§ 22 BGB)
  • §§ 25, 71 BGB: Vereinssatzung und Satzungsänderung
  • Mindestinhalt der Satzung (§§ 57 I, 58 BGB): Zweck, Name, Sitz, Eintragungsregime, Eintritts- und Austrittsregeln, Mitgliedsbeitrag, Vorstand, Einberufung der Mitgliederversammlung
  • Sportartspezifische Spielregeln
  • fakultativ: Streitregime (Austragung etwaiger Streitigkeiten vor: a) Disziplinarausschuss, b) Schiedsgericht und/oder c) Staatsgerichtsbarkeit).

11. Rechtmäßigkeitsvoraussetzungen für sportverbandliche Normen:
  • Zustandekommen nach den Verbandsregeln § 71 BGB als Mindestvoraussetzung.


12. Verbands- und Schiedsgerichtsbarkeit im Sport:
  1. Verbandsgerichtsbarkeit
  2. Schiedsgerichtsbarkeit
  3. formale Voraussetzungen für die Spruchkörper (Unabhängigkeit und Unparteilichkeit)
  1. Befugnisse des Spruchkörpers
  2. Ausschluss der staatshoheitlichen Gerichtsbarkeit
  3. der Fall „Claudia Pechstein“
Anhang
  • Urteil des BGH vom 07.06.2016 zu KZR 6/15 (Leitsätze 1 bis 5)
  • Beschluss des BGH vom 12.07.2016 zu KZR 6/15 (Orientierungssätze 1 bis 4)
  • Heermann, Die Sportgerichtsbarkeit nach dem Pechstein-Urteil des BGH, in: NJW 2016, 2224 bis 2227
  • Wortlaut des Art. 6 Abs. 2 EMRK.





Dr. jur. Burkhard Oexmann
Rechtsanwalt + Lehrbeauftragter
Rassenhöveler Straße 7, 59510 Lippetal
burkhard.oexmann@oexmann.de


(Stand: 08.05.2017)