Sozietät
Dr. Oexmann

Medizinrecht

Arzthaftung: Gefäßschaden nach Herzkatheter

Veröffentlicht von Dr. Oexmann am 2011-12-12

Landgericht Arnsberg

Brückenplatz 7

59821 Arnsberg

12.12.2011

Unser Zeichen:     82.M. (Gefäßverschluss).kh

Klage

In dem Rechtsstreit

I. M.

- Klägerin -

Prozessbevollmächtigte:            Sozietät Dr. Oexmann, Rassenhöveler Straße 7, 59510 Lippetal

(AZ: 82.M. (Gefäßverschluss))

g e g e n

M. Krankenhaus

- Beklagte -

wegen:        Schadensersatz aus Arzthaftung

erhebe ich namens und in Vollmacht der Klägerin Klage und beantrage,

1.

die Beklagte zu verurteilen, an die Klägerin ein der Höhe nach in das Ermessen des Gerichts gestelltes Schmerzensgeld, mindestens jedoch 15.000,00 Euro, nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz jährlich sei Rechtshängigkeit zu zahlen,

2.

festzustellen, dass die Beklagte verpflichtet ist, der Klägerin sämtlichen materiellen und, soweit nicht vorhersehbar, immateriellen Zukunftsschaden aus Anlass der Behandlung vom 13.01.2011 bis zum 31.01.2011 zu ersetzen, soweit ein öffentlich-rechtlicher Forderungsübergang nicht stattgefunden hat,

3.

im Fall der Säumnis der Beklagten durch Versäumnis- und im Fall des Anerkenntnisses der Beklagten durch Anerkenntnis-Urteil zu entscheiden, und zwar im hiermit beantragten schriftlichen Verfahren nach §§ 276, 331 ZPO,

4.

im Unterliegensfall der Klägerin nachzulassen, Sicherheit auch durch unbedingte, unbefristete und selbstschuldnerische Bürgschaft einer öffentlichen Sparkasse oder eines in der Bundesrepublik ansässigen Kreditinstituts zu erbringen.

In Ansehung des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO substantiiere ich meine petita im Einzelnen wie folgt:

1.

Die am 01.11.1964 geborene, gesetzlich bei der B. versicherte Klägerin litt im Dezember 2010 unter einem Atemwegsinfekt. In der Folge verspürte die Klägerin Herzrasen und ein Engegefühl mit Luftnot unter Anstrengung. Insgesamt fühlte sie sich körperlich geschwächt. Daher überwies ihr Hausarzt sie zur weiteren Untersuchung an die Beklagte. Dort stellte sie sich am 11.01.2011 vor und schilderte ihre Symptome.

2.

Es wurde eine Echokardiographie durchgeführt, die einen unauffälligen Befund ergab. Zusätzlich wurde ein Belastungstest durchgeführt. Befundet wurde Folgendes: "Ausgehend von 25 Watt stufenweise Belastung des Probanden bis 125 Watt. Die Zielfrequenz (174/min) wurde nicht erreicht. Die Sollleistung (124 W) wurde erreicht. Abbruch wegen körperlicher Erschöpfung. Keine Angina pectoris, keine Cyanose. Im synchron geschriebenen EKG horizontale St-Streckensenkungen in II, II aVF sowie in V4-V6 ab 75 Watt. Normotonoer Ruheblutdruckwert mit adäquatem Anstieg unter Belastung und anschließend verzögerter Erholung. Die Herzfrequenz in Ruhe im Normbereich mit adäquatem Anstieg unter Belastung und regelrechter Erholung. Unter Belastung SVES."

Beweis:       anliegend in Kopie Funktionsdiagnostik-Befund vom 11.01.2011, Anlage K1

3.

Die Untersuchung zum Belastungs-EKG wurde gemäß Kardio durchgeführt für eine Zeit von 16:05 min:s. Die Herzfrequenz in Ruhe von 76/min stieg auf einen Maximalwert von 153/min an. Dies entspricht der maximalen, altersentsprechenden, vorhergesehenen Herzfrequenz. Der Blutdruck in Ruhe von 119/87 stieg auf einen Maximalwert von 218/94 mmHg.

Beweis:       anliegend in Kopie Untersuchungsprotokoll Belastungs-EKG vom 11.01.2011, Anlage K2

4.

Die behandelnden Ärzte der Beklagten äußerten den Verdacht auf eine belastungsinduzierte Myokardischämie und empfahlen der Klägerin eine Linksherzkatheteruntersuchung zum Ausschluss einer koronaren Herzerkrankung.

Beweis:       anliegend in Kopie Arztbrief der Beklagten vom 18.01.2011, Anlage K3

5.

Am 11.01.2011 unterschrieb die Klägerin das Formular über das Aufklärungsgespräch und die Einwilligung in die geplante Linksherzkatheteruntersuchung. Auf dieser Formular ist lediglich vermerk "Risiken erläutert".

Beweis:       anliegend in Kopie Aufklärungsformular vom 11.01.2011, Anlage K4

6.

Die Koronarangiographie wurde am 13.01.2011 per Anlage einer 5F Schleuse in der A. radialis rechts durchgeführt.

Beweis:       anliegend in Kopie Linksherzkatheter Befund vom 13.01.2011, Anlage K5

7.

Die Linksherzkatheteruntersuchung bestätigte eine koronare Herzerkrankung nicht. Vielmehr wurden die Beschwerden der Klägerin nach der Untersuchung als Nachwirkungen dem Atemwegsinfekt zugeschrieben.

Beweis:       bereits überreichte Anlage K3, Arztbrief der Beklagten vom 18.01.2011

8.

Am 15.01.2011 verspürte die Klägerin ein extremes Kältegefühl in ihrer rechten Hand. Darüber hinaus war diese bläulich bis weißlich verfärbt. Der Daumen war für eine Zeit von etwa 15 bis 20 Minuten taub. Zudem tat ihr der gesamte rechte Arm weh.

9.

Da die Schmerzen nicht nachließen, setzte sich die Klägerin am 17.01.2011 mit ihrem Hausarzt Dr. M. in Verbindung. Dieser verwies sie an die Beklagte. Daher führte die Klägerin noch am gleichen Tag ein Telefonat mit Dr. B. als Arzt der Beklagten. Sie schilderte ihm ihre Symptome. Der Arzt sagte ihr, es könnte eventuell zu Mikrodissektionen gekommen sein. Sie sollte ein paar Tage abwarten und erneut vorstellig werden, falls keine Besserung eintrete.

10.

Da am 19.01.2011 keine Besserung eingetreten war, stellte sich die Klägerin wieder bei der Beklagten vor. Der Aufnahmebefund wurde wie folgt dokumentiert: "Die Patientin stellte sich am 19.01.2011 bei uns vor aufgrund von Schmerzen sowie leichte Schwellung des rechten Unterarmes, insbesondere im Bereich des Handgelenkes radialseitig. Diese Schmerzen ziehen in den gesamten Arm sowie in die rechte Schulter. (...) Die Patientin berichtete von Schmerzen aktuell in der rechten Hand, Sensibilitätsstörungen bis zur Parese. Mit livider Verfärbung sowie Schmerzattacken vor wenigen Tagen, diese hatten sich aber die den letzten Tagen gebessert." In der sich anschließenden Untersuchung wurde festgestellt, dass der Puls der A. radialis rechts nicht tastbar war. Es wurde eine Duplexsonographie durchgeführt, innerhalb derer die A. radialis im gesamten Unterarm nicht dargestellt werden konnte. "Es findet sich im Bereich des Handgelenkes radialseitig eine reizfreie Punktionsstelle sowie eine ca. 3 x 4 cm leichte Rötung proximal dieser."

Beweis:       anliegend in Kopie Arztbrief der Beklagten vom 20.01.2011, Anlage K6

11.

Die Klägerin wurde am gleichen Tag in die fachübergreifende Gemeinschaftspraxis für Radiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie in Soest wegen des Verdachtes auf Verschluss der A. radialis überweisen. Dort wurde ein DSA des rechten Schulter/Armgürtels durchgeführt. Dazu wurde "nach Punktion des rechten A. femoralis (...) ein 5-F-Pigteil-Katheter mittels Seldinger-Methode bis in den Aortenbogen vorgebracht. In dieser Katheterposition Anfertigung von Serienangiogrammen in DSA-Technik. (...) Die A. radialis verjüngt sich nach distal und ist im mittleren Unterarm verschlossen. Die Hand wird ausschließlich über die A. ulnaris versorgt." Auch die folgende Beurteilung kommt zu einem "Verschluss der rechten A. radialis im mittleren Unterarm".

Beweis:       1.

anliegend in Kopie Befundbericht der fachübergreifenden Gemeinschaftspraxis für Radiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie vom 20.01.2011, Anlage K7

2.

anliegend in Kopie die gefertigten Serienangiogramme, Anlage K8

12.

Daraufhin wurde ebenfalls am 19.01.2011 eine Thrombembolektomie der A. radialis rechts mit intraarterieller Lyse-Therapie durchgeführt. Als Zugang wurde die A. brachialis gewählt. Beim Eingehen mit einem 3er Fogartykatheter wurden nach mehrmaligen Fogartymanövern alte Thromben entfernt. Es folgt die Gabe von Heparin intraarteriell.  Ein Eingehen mit dem Fogartykatheter nach proximal zeigten keine weiteren Thromben. Nach einer weiteren Gabe Heparin erfolgte der Verschluss der Arteriotomie nach röntgenologischer Darstellung der Unterarmarterien komplett bis in die Fingerarterien.

Beweis:       anliegend in Kopie Operationsbericht der Beklagten vom 19.01.2011, Anlage K9

13.

Am 21.01.2011 wurde die Klägerin aus der stationären Behandlung der Beklagten entlassen.

14.

Bereits am 28.01.2011 kontaktiert die Klägerin erneut ihren Hausarzt aufgrund von Schmerzen im rechten Arm. Des Weiteren kann sie mit ihrer rechten Hand nicht richtig greifen. Nachdem die Schmerzen immer stärker wurden und bis in die Schulter ausstrahlten, begab sich die Klägerin am 31.01.2011 in die Gefäßchirurgie bei der Beklagten. Dort werden zunächst die Fäden gezogen. Dokumentiert findet sich: "Pat. berichtet über .... Schmerzen, Ø Ischämiezeichen, erneut Doppler beider Arme, ASS weiter, WV in 6 Wochen."

Beweis:       anliegend in Kopie Bericht über die nachstationäre Behandlung vom 31.01.2011, Anlage K10

15.

Aus den Bildern der Dopplersonographie, die der Assistenzarzt A. durchgeführt hat, ergibt sich, dass die A. radialis zwar offen ist, aber nicht optimal. Gerade aus einem Vergleich zwischen der linken und der rechten A. radialis wird deutlich, dass der Fluss der rechten A. radialis deutlich eingeschränkt ist.

Beweis:       1.

Anliegend in Kopie Bilder der Dopplersonographie vom 31.01.2011, Anlage K11

2.

Einholung eines Sachverständigengutachtens

16.

Die Klägerin litt weiterhin unter Schmerzen im rechten Arm, die bis in die rechte Schulter strahlten. Daher stellte sie sich sowohl am 01.02.2011 als auch am 10.02.2011 bei ihrem Hausarzt vor. Als die Schmerzen auch am 18.02.2011 nicht nachließen oder sich gebessert hatten, begab sich die Klägerin erneut in die Gefäßchirurgie der Beklagten. Unter Beschwerden ist bei Aufnahme dokumentiert: "seit Thombektomie 19.01.2011 rezidivierend Beschwerden im rechten Oberarm sowie Unterarm, bei Belastung Schmerzen im Daumenballen. Die Ärztin der Beklagten empfahl der Klägerin eine Bypass-Operation. Der Termin wurde für den 23.02.2011 festgelegt.

Beweis:       1.

Anliegend in Kopie Dokumentation der Krankengeschichte vom 18.02.2011, Anlage K12

2.

anliegend in Kopie Aufklärungsformular für die OP am 23.02.2011, Anlage K13

17.

Dieses Aufklärungsformular bezieht sich zwar auf eine Embolektomie, allerdings ist auf der letzten Seite vermerkt, dass eine Erweiterung geplant war. Auf der als Anlage K12 überreichten Dokumentation der Krankengeschichte ergibt sich weiter, dass ein Venenersatz geplant war.

18.

Wohlweislich holte die Klägerin jedoch am 21.02.2011 eine Zweitmeinung durch Dr. W. als Gefäßchirurg ein. Dieser hat von einer weiteren Operation, insbesondere einer Bypass-Operation abgeraten und stattdessen empfohlen, die Gefäßchirurgie in Münster aufzusuchen. Diesem Rat kam die Klägerin am 03.03.2011 nach. Im Universitätsklinikum Münster wurde durch den Oberarzt Dr. med. S. eine Duplexsonographie durchgeführt. Es zeigte sich, dass die A. radialis abgangsnah verschlossen war unterhalb der Beugefalte bis zum Handgelenk. Unter Therapievorschlag findet sich: "Da nach sonographischen Kriterien die komplette A. radialis verschlossen ist, erschein ein isoliertes operatives Vorgehen handgelenksnah nicht erfolgversprechend zu sein. Wir schlagen zunächst die konservative Vorgehensweise zur Entwicklung des kollateral Kreislaufes vor. Ein Bypass von cubital zur Hand erscheint aktuell nicht adäqut zu sein. Eine Verbesserung der Kollateralfunktion kann mit Pletal 100 mg (1 Woche 1x1, anschließend 2x1) erzielt werden."

Beweis:       anliegend in Kopie Arztbrief des UKM vom 03.03.2011, Anlage K14

19.

Die Klägerin verfolgte zunächst eine konservative Behandlung mit Pletal 100mg. Da sie dies jedoch nur schlecht tolerierte erfolgte eine Umstellung auf Clopidogrel 75 mg. Aber auch unter dieser Medikation trat keine wesentliche Besserung ein. Daher begab sie sich am 30.03.2011 in die Nervenärztliche Gemeinschaftspraxis in Rheda-Wiedenbrück. Dort ergab eine Elektroneurographie des N. radialis recht eine Amplitude von 9,0 mV und links von 14,9 mV. Festgestellt wurde eine Schädigung des N. radialis bzw. eine Reizung in der Supinatorloge rechts.

Beweis:       anliegend in Kopie Bericht der Nervenärztlichen Gemeinschaftspraxis vom 31.03.2011, Anlage K15

20.

Am 07.04.2011 wurde die Klägerin erneut in der UKM vorstellig. Sie schilderte, dass sie beim Hochhalten des rechten Armes Kribbelsensationen in der rechten Hand verspüre. Darüber hinaus bestanden weiterhin Schmerzen im rechten Arm. Es wurde festgestellt, dass die rechte Hand warm war und die A. radialis ist tastbar war. "Die Digitalarterien des Daumens sind Kleinfingerwärts kräftig perfundiert." Die Diagnose lautete erneut Verschluss der A. radialis mit nervaler Irritation.

Beweis:       anliegend in Kopie Bericht des UKM vom 07.04.2011, Anlage K16

21.

Am 09.08.2011 wurde zusätzlich durch die St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen ein Gefühlsdefizit im Nervus medianus-Versorgungsgebiet rechts festgestellt. Darüber hinaus wurde der Verdacht auf ein Carpaltunnel-Syndrom geäußert.

Beweis:       anliegend in Kopie Bericht der St. Barbara-Klinik vom 10.08.2011, Anlage K17

22.

Schließlich wurde am 10.10.2011 eine Carpaltunnelspaltung mit Neurolyse des N. medianus rechts, Tenosynovialektomie und Tenolyse der Beugesehnen im rechten Handgelenk vorgenommen.

Beweis:       anliegend in Kopie Bericht der St. Barbara-Klinik vom 11.10.2011, Anlage K18

23.

Über den gesamten Zeitraum bestand bei der Klägerin Arbeitsunfähigkeit.

24.

Der vorstehend geschilderte Verlauf ist auf Behandlungsfehler der Beklagten zurückzuführen. Zunächst ist den Ärzten der Beklagte vorzuwerfen, dass sie Linksherzkatheteruntersuchung durchgeführt haben, die nicht indiziert war.

Beweis:       Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens

25.

Vorliegend erfolgte die Herzkatheteruntersuchung zur Diagnostik. Aus der Nationalen VersorungsLeitlinie Chronische KHK der Bundesärztekammer, Kassenärztlichen Bundesvereinigung und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften ergibt sich, dass eine invasive Diagnostik aufgrund der weitreichenden Risiken erst nach Erschöpfung aller nichtinvasiven Maßnahmen ergriffen werden soll. Vorliegend waren noch nicht alle nichtinvasiven Maßnahme ergriffen worden. Zunächst ist ausführlich eine Anamnese zu erheben. "Die Symptomatik des Patienten, das kardiovaskuläre Risikoprofil sowie eine bekannte Manifestation einer Atherosklerose liefern wesentliche Informationen zur Einschätzung, ob eine mittels Koronarangiographie abklärungsbedürftige koronare Herzkrankheit vorliegt."

Beweis:       anliegend in Kopie Leitlinie Diagnostische Herzkatheteruntersuchung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz-Kreislaufforschung e.V., Anlage K19

26.

Hier wurden schon die kardiovaskulären Risikofaktoren nicht richtig gewertet. Als derartige Risiken gelten arterielle Hypertonie, Hyperlipidämie, Rauchen, Niereninsuffizienz und insbesondere Diabetes mellitus.

Beweis:       1.

Anliegend in Kopie Leitlinie Diagnostische Herzkatheteruntersuchung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz-Kreislaufforschung e.V., Anlage K19

2.

Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens

27.

Bei der Klägerin bestand als kardiovaskulärer Risikofaktor allein das Rauchen. Fehlerhaft wurde allerdings aus die Hypercholesterinämie als Risikofaktor bewertet.

Beweis:       1.

Anliegend in Kopie Arztbrief vom 18.01.2011, Anlage K3

2.

Einholung eines Sachverständigengutachtens

28.

Da als einziger Risikofaktor das Rauchen vorlag und die Klägerin zuvor ihren Atemwegsinfekt geschildert hatte, lag die Wahrscheinlichkeit eine koronaren Herzerkrankung bei der Klägerin nicht sehr hoch.

Beweis:       Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens

29.

Darüber hinaus war die apparative Vordiagnostik nicht ausreichen. Zur apparativen Vordiagnostik zählen Belastungs-EKG, bildgebende Belastungsuntersuchungen, Echokardiogramm. Zu den bildgebenden Belastungsuntersuchungen zählen die Stress-Echokardiographie mittels körperlicher Belastung.

Beweis:       anliegend in Kopie Leitlinie Diagnostische Herzkatheteruntersuchung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz-Kreislauf e.V., Anlage K19

30.

Vorliegend wurde ein Ruhe-EKG, Ergometrie und eine Echokardiographie durchgeführt. Die Echokardiographie war lauf Behandlungsdokumentation unauffällig. Allerdings wurde hier keine Stress-Echokardiographie durchgeführt. Darüber hinaus wurde hier auch keine 3D-Echokardiographie durchgeführt. Mittels 3D-Echokardiographie lassen sich die Herzstrukturen plastisch darstellen. Insbesondere "ermöglicht die dreidimensionale Darstellung des Herzens dem Arzt, die Pumpfunktion der linken Herzkammer sehr genau zu beurteilen". Darüber hinaus lassen sich wichtige zusätzliche Informationen für die Diagnose und den Verlauf einer Herzerkrankung gewinnen.

Beweis:       1.

Anliegend in Kopie "Ultraschalluntersuchung des Herzens" aus Mein Körper und Ich, Anlage K20

2.

Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens

31.

Darüber hinaus hätte vor der diagnostischen Herzkatheteruntersuchung eine Farbdopplersonographie durchgeführt werden müssen. Durch diese Art der Darstellung ist der Blutfluss nicht nur hörbar, sondern wird auch farblich sichtbar gemacht.

Beweis:       wie vor

32.

Schließlich hätte zunächst eine Myokardszintigraphie in Ruhe und unter Belastung durchgeführt werden müssen.

Beweis:       Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens

33.

Wäre zunächst eine umfassende apparative und bildgebende Diagnostik durchgeführt worden, etwa mit 3D-Ultraschall, Farbdopplersonographie und Myokardszintigraphie, hätte dies bereits den Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung ausgeschlossen.

Beweis:       Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens

34.

Diese apparative und bildgebende Diagnostik ist ebenfalls zur Diagnose eine KHK geeignet, hegt dabei jedoch deutlich weniger Risiken im Vergleich zur Herzkatheteruntersuchung.

Beweis:       Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens

35.

Eine Indikation zur diagnostischen Herzkatheteruntersuchung bestand daher nicht.

Beweis:       Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens

36.

Darüber hinaus wurde die Klägerin auch nicht über die Risiken einer Herzkatheteruntersuchung aufgeklärt. Zu dem Risiken gehören Tod, Infarkte, zerebrale Embolien, Kammerflimmern, Asystolie etc.. Insbesondere aber bei dem Zugang über die A. radialis, ist einer Verschlussrate der A. radialis bei 10 % gegeben. Daraus ergibt sich, dass die Klägerin auch hierüber hätte aufgeklärt werden müssen.

Beweis:       1.

Anliegend in Kopie Rossmann/Neumann/Kalusche/Bestehorn, Herzkrankheiten, 5. Auflage Berlin 2004, S. 282 ff., Anlage K21

2.

Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens

37.

Auf dem Aufklärungsformular, das als Anlage K4 bereits überreichte wurde, wurde lediglich vermerk: "Risiken erläutert". Dies ist nicht ausreichend, da nicht ersichtlich ist, welche Risiken die Beklagte der Klägerin erläutert hat. Da hier außerdem der besondere Zugang über die A. radialis gewählt wurde, hätte insbesondere über die hohe Verschlussrate in der Folge aufgeklärt und dies dokumentiert werden müssen.

Beweis:       Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens

38.

Da die Klägerin über kein Risiko der Herzkatheteruntersuchung aufgeklärt wurde und sich das Risiko des Verschlusses der A. radialis realisiert hat, ist die Beklagte schon aus diesem Grund zu Schadensersatz verpflichtet.

39.

Hinzu kommt jedoch, dass auch die Behandlung vom 19.01.2011 fehlerhaft war. Die Thromboemolektomie wurde nicht gemäß dem medizinischen Standard durchgeführt.

Beweis:       Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens

40.

Schließlich war auch die Nachuntersuchung vom 31.01.2011 fehlerhaft. Während dieser Behandlung schilderte die Klägerin, dass sie weiterhin Schmerzen habe. Zusätzlich wurde eine Dopplersonographie durchgeführt. Aus dieser wurde ersichtlicht, dass der Durchfluss der A. radialis sehr eingeschränkt war. Daher hätte der behandelnde Arzt die Klägerin nicht auf eine Wiedervorstellung in erst 6 Wochen verweisen dürfen. Er hätte umgehend eine Therapie ergreifen müssen.

Beweis:       Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens

41.

Hierbei ist zu beachten, dass die Nachuntersuchung durch einen Assistenzarzt durchgeführt wurde. "Assistenzärzte sind als Angestellte an einem Krankenhaus unter Aufsicht, Weisung und Verantwortung des leitenden Arztes tätig und zwar in der Regel zum Zwecke der Weiterbildung" (vgl. Laufs/Kern, Handbuch des Arztrechts, 4. Auflage München 2010, § 12 Rn. 11). Geschuldet wird jedoch grundsätzlich der Facharztstandard. Gefordert wird daher immer, das in der ärztlichen Praxis gesicherte, von einem durchschnittlich befähigten Facharzt verlangte Maß an Kenntnis und Können (ähnlich Urteil des OLG München vom 15.07.2011 zu 1 U 5092/10). Um diesen Facharztstandard gewährleisten zu können, hat daher der Facharzt selbst bei der Behandlung anwesend zu sein oder er muss den Assistenzarzt bei seiner Tätigkeit überwachen (vgl. bereits Urteil des BGH vom 27.09.1983 zu VI ZR 230/81). Dies ist vorliegend jedoch nicht geschehen. Allein der Assistenzarzt geht aus den Unterlagen hervor. Aus dem alleinigen Einsatz des Assistenzarztes ohne Überwachung ergibt sich ein Organisationsverschulden der Beklagten.

42.

Zusammengefasst sind der Beklagten folgende Behandlungsfehler vorzuwerfen:

  • Nicht indizierte Vornahme einer diagnostischen Herzkatheteruntersuchung
  • Keine Risikoaufklärung
  • Fehlerhafte Durchführung der Thromboembolektomie
  • Organisationsverschulden durch alleinigen Einsatz eines Assistenzarztes

43.

Aufgrund dieser Behandlungsfehler hat die Klägerin einen Schaden erlitten. Bereits durch die nicht indizierte Durchführung der Herzkatheteruntersuchung kam es zu einem Verschluss der A. radialis.

Beweis:       Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens

44.

Dadurch hatte die Klägerin rezidivierende Schmerzen im rechten Arm, eine Belastungseinschränkung der rechten Hand, Taubheitsgefühle und Kribbelparesen, insbesondere aber erhebliche Bewegungseinschränkungen.

Beweis:       Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens

45.

Darüber hinaus ist sie weiterhin Arbeitsunfähig und es ist bisher nicht absehbar, ob sie je wieder in ihrem Beruf als Krankenschwester wird arbeiten können.

46.

Darüber hinaus hat die fehlerhafte Behandlung zu der Ausbildung eines Carpaltunnelsyndroms geführt.

Beweis:       Einholung eines Sachverständigengutachtens

47.

Die Klägerin musste eine weitere Operation über sich ergehen lassen. Darüber hinaus musste sie aufgrund ihrer Schmerzen in dem Zeitraum Januar bis Dezember 2011 nahezu wöchentlich zum Arzt. Dies bedeutet einen erheblichen Zeitaufwand. Vom MDK wurde der jetzige Gesundheitszustand der Klägerin als "verminderte Belastbarkeit mit starker Schmerzsymptomatik der rechten oberen Extremität nach Arterienverschluss der A. radialis nach durchgeführter Herzkatheteruntersuchung über diese Arterie mit anschließend notwendiger Embolektommie und interarterieller Lyse sowie später diagnostiziertem Supinator- und Carpaltunnelsyndrom" diagnostieziert.

Beweis:       anliegend in Kopie Gutachten des MDK vom 14.09.2011, Anlage K22

48.

Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass die Ärzte der Beklagten der Klägerin zu einer weiteren Operation am 23.02.2011 rieten. Als die Klägerin eine zweite Meinung einholte, stellte sich heraus, dass eine derartige Operation zu dem Zeitpunkt "aktuell nicht adäquat" war. Damit stellt auch dies eine fehlerhafte Behandlung dar. Allein die Tatsache, dass die Klägerin eine zweite Meinung einholte, verhinderte hier einen weitergehenden Schaden.

49.

Die Beklagte ist der Kläger daher zum Ersatz sämtlicher Schäden infolge der fehlerhaften Behandlung verpflichtet. Hinzu zählt zunächst ein angemessenes Schmerzensgeld. Die Klägerin ist der Auffassung, dass ein Schmerzensgeld einen Betrag von mindestens 15.000,00 Euro ausmachen muss, um als angemessen angesehen werden zu können. Eine Orientierung erfolgte hierbei an dem Urteil des OLG Oldenburg vom 24.03.1998 zu 5 U 112/97. Als Teuerungsrate war hier zu beachten, dass bei der Klägerin im Unterschied zu dem angegebenen Urteil keine Vorschädigung bestand, die Klägerin also völlig gesund war bis zur Behandlung durch die Beklagten. Nunmehr ist sie aufgrund der Schmerzen des rechten Armes erheblich im täglichen Leben eingeschränkt: Sie kann schlecht bügeln, Brot schneiden, Staubsaugen, Einpacken, Fensterputzen etc.. Dabei verspürt sie jeweils einen "grellen Schmerz".

50.

Da bisher nicht vorhersehbar ist, ob die Klägerin jemals wieder genesen wird und die Bewegungseinschränkung minimiert werden kann, insbesondere aber ob die Klägerin wieder ihre Arbeit wird aufnehmen können, ist auch der Feststellungsantrag begründet. Diese beziffere ich vorläufig mit 10.000,00 Euro.

51.

Insgesamt ergibt sich ein vorläufiger Gesamtstreitwert von 25.000,00 Euro.

52.

Ich bin gemäß der mich treffenden Verpflichtung aus §§ 138, 282 ZPO bestrebt, den Sachverhalt in allen für die Entscheidung notwendigen Einzelheiten vollständig vorzutragen. Sollte das Gericht jedoch der Auffassung sein, dass ich für eine Entscheidung sowohl bezüglich der Hauptforderung als auch der Nebenforderung notwendige Tatsachen nicht, nicht vollständig und/oder nicht mit den erforderlichen Beweisangeboten vorgetragen habe, bitte ich um einen richterlichen Hinweis gemäß § 139 ZPO darüber, in welcher Art und Weise ich eventuell ungenügende Angaben und nicht ausreichend sachdienliche Anträge zu ergänzen haben könnte. Sollte das Gericht die Absicht haben, eine Entscheidung auf einen rechtlichen Gesichtspunkt zu stützen, den ich übersehen oder für unerheblich gehalten habe oder anders als das Gericht beurteile (§ 139 Abs. 2 ZPO), erwarte ich einen solchen Hinweis. Nach § 139 Abs. 4 ZPO bitte ich das Gericht, die erforderlichen Hinweise möglichst früh zu erteilen, damit ich ohne ansonsten nach § 139 Abs. 5 ZPO notwendige Schriftsatznachlässe oder Vertagungsanträge rechtzeitig reagieren kann. Nach einer eventuell durchgeführten Beweisaufnahme erbitte ich entsprechende sachliche Hinweise gemäß § 279 Abs. 3 ZPO, ob es ergänzenden Sachvortrages oder Beweisanerbietens bedarf. Für den Fall, dass das Gericht die mir nach §§ 139, 279 ZPO mitzuteilenden Erkenntnisse erst nach Schluss der mündlichen Verhandlung gewinnt, verweise ich schon jetzt auf die richterliche Verpflichtung zur Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung nach  § 156 Abs. 2 ZPO.

53.

Beglaubigte und einfache Abschrift anbei.

(Kristin Hinrichsen)